UNTERSCHIEDE SPORTLICHER / REALISTISCHER ZWEIKAMPF

 

Ein realistischer Zweikampf unterscheidet sich in wesentlichen Aspekten vom sportlichen Zweikampf.


Einige Merkmale des realistischen Zweikampfes können wir oftmals zu unserem Vorteil nutzen, andere können uns aber auch schnell zum Verhängnis werden:

 

  • Keine Regeln.
  • Meist wenig oder gar keine Kenntnisse über den Gegner.
  • Unter Umständen mehrere Gegner.
  • Eingreifen Dritter in verschiedenen Variationen möglich.
  • Kein vorher vereinbarter Kampftermin. Eine bei Wettkämpfen übliche, spezielle, termingerechte, physische und psychische Vorbereitung ist nicht möglich.
  • Kein signalisierter Kampfbeginn. Ganz im Gegenteil weiß man oft bis zum Moment eines gegnerischen Angriffs nicht, ob es überhaupt zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen wird, oder ob es bei einem verbalen Geplänkel bleibt.
  • Kampf muss oftmals nicht zwingend stattfinden. In vielen Fällen kann mit den richtigen Verhaltensweisen (z.B. durch Einschüchtern, Ignorieren, Diskutieren, Absetzen, Verständigen der Polizei) eine potentielle körperliche Auseinandersetzung verhindert werden.
  • Verbale Auseinandersetzung - somit zahlreiche psychologische Tricks möglich.
  • Eventuell Fluchtmöglichkeiten. Weder der Rundengong, der Ringrichter noch ein k.o. beenden den Kampf.  Oft gelingt es einem der Teilnehmer, den Kampf durch einen sicheren Rückzug zu beenden oder sich bereits vorher zu entfernen (sh. oben).
  • Einbeziehen von Gegenständen und der Umgebung in den Kampf möglich. So können beispielsweise Einrichtungsgegenstände als Deckung benutzt werden, eine erhöhte Position auf einer Treppe einen Vorteil bedeuten oder eine geschwungene Jacke dazu benutzt werden, um den Gegner auf Abstand zu halten.
  • Möglicherweise Einsatz von Waffen.
  • Keine Schutzausrüstung.
  • Keine durch Matten, Schwingboden, Polster oder Ringseile gesicherte Kampffläche.
  • Keine Ermahnung oder Kampfunterbrechung durch einen Ringrichter bei unverhältnismäßiger Härte.
  • Unter Umständen kein Abbruch der gegnerischen Kampfhandlungen trotz k.o. oder t.k.o.
  • Gegner reagiert höchstwahrscheinlich nicht auf Abklopfen.
  • Eventuell Fortdauer des Konflikts über den Zeitraum der körperlichen Auseinandersetzung hinaus (z.B. Gerichtsverhandlung).
  • Definition des Begriffs „Gewinner“ sehr individuell:
    Auch in der Definierung, wann ein Kampf „gewonnen“ ist, unterscheidet sich der realistische deutlich vom sportlichen Zweikampf. Bedeutet im sportlichen Zweikampf ein k.o. des Gegners, dessen Abklopfen oder ein Urteil der Punktrichter den Sieg, so entscheidet im Ernstfall alleine das Erreichen des mir selbst gesteckten Ziels, ob ich den Kampf gewonnen habe. Ziel kann es beispielsweise sein, einfach unverletzt und so schnell wie möglich aus einer Auseinandersetzung heraus zu kommen. Ziel kann es sein, eine dritte Person vor Schaden zu bewahren. Ziel kann es sein, einem anderen unbedingt körperliche Schmerzen zuzufügen, Ziel kann es aber auch sein, sich nicht auf das Niveau des Gegenübers hinab zu begeben und statt dessen selbstbeherrscht, „cool“ und gelassen zu bleiben. Es ist im nicht sportlichen Zweikampf sogar durchaus möglich, dass beide Kampfparteien im Kampf die gewünschten Ziele erreicht haben und somit jeder ein  „Gewinner“ ist.